Summerschool - "Staat und Nation"
by Torsten Hänel in VeranstaltungenDie Idee einer Nation, die in der Organisationsform eines Staates verwirklicht werden sollte, schuf im 19. Jahrhundert neue Kategorien des Denkens: Zusammengehörigkeit durch gemeinsame Kultur, Zugehörigkeit zu einem Territorium und politische Selbstbestimmung. Die souveräne Nation als einzig legitime Grundlage des Staates war ein derart erfolgreiches Konzept, dass noch heute der Nationalstaat als allgemeingültiger politischer Bezugspunkt anerkannt ist.
Die Einheitsbewegungen Italiens und Deutschlands bilden eine gute Vergleichsgrundlage, da sie sowohl Parallelen als auch signifikante Unterschiede aufweisen. Die Summerschool setzt sich zum Ziel, anhand dieser Beispiele aktuelle Forschungsfragen zur nationalen Identität und staatlichen Institutionalisierung aufzugreifen. Die jüngere italienische Forschung betrachtet die nationale Bewegung des Risorgimentos verstärkt aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive. An der TU Dresden hingegen setzt sich das Sonderforschungsbereich 804 Transzendenz und Gemeinsinn mit Fragen nach der Begründung und Stabilisierung von politischen Ordnungen und Gemeinschaften auseinander.
Die vergleichende Perspektive soll zudem die nationale Sichtweise auf die Geschichte überwinden helfen und den wissenschaftlichen Austausch fördern. Insbesondere Nachwuchswissenschaftlern soll dabei Gelegenheit gegeben werden, miteinander und mit renommierten Professoren in Diskussion zu treten. Themenansätze sind die vermeintlich notwendige Verbindung von Staat und Nation, Formen der Sakralisierung von Nation im Zuge ihrer „Erfindung“ sowie die Bedingungen, die für die bindende Kraft der Idee „Nation“ und die Stabilität staatlicher Ordnung Voraussetzung sind.
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